Der Bergische Primanertag

Eine Erfolgsgeschichte

Studien- und Berufsberatung für die Oberstufe

Der Bergische Primanertag findet am 12. Januar 2019 zum fünfzigsten Mal statt. Diese einzigartige Berufs- und Studienberatung, die den Schülerinnen und Schülern der Oberstufe das persönliche Gespräch mit Berufspraktikern und Vertretern der Universität anbietet, geht auf den „Arbeitskreis evangelischer und katholischer Akademiker“ zurück. Das Berufskolleg Elberfeld stellte von Beginn an den Veranstaltungsort. Das Eingangsreferat des ersten „Wuppertaler“ Primanertages am  7. März 1970 hielt Dr. Diether Posser, Minister für Bundesangelegenheiten des Landes NRW, über das Thema „Beruf und politische Verantwortung heute und morgen“.

Der von den Schulreferaten der Kirchen initiierte Arbeitskreis Bergischer Primanertag arbeitete sehr erfolgreich. Die enge Zusammenarbeit mit der Zentralen Studienberatung der Gesamthochschule, der heutigen Bergischen Universität, ermöglichte es, neben den Berufspraktikern auch Professoren, Dozenten und Studenten in das Beratungskonzept einzubinden.  In jedem Jahr erreichte der Primanertag hunderte Schülerinnen und Schüler. So kommentierte der Chefredakteur der Westdeutschen Zeitung den 3. Primanertag im Jahr 1972 mit den Worten: „Der Primanertag in Wuppertal ist eine gute Einrichtung. Diese Jugend versteht zu fragen. Unbefangen, offen, realistisch und doch bohrend. So wird auch mancher der freiwilligen Berufsberater wertvolle Erkenntnisse für sich mit nach Hause genommen haben.“

Trotz dieses Beratungserfolges kam die Organisation des Primanertages, die seit den 80er Jahren vom Schulreferat des Evangelischen Kirchenkreises in Elberfeld geleistet wurde, im Jahr 2003 an ihre Grenzen. Knappe finanzielle Mittel und vor allem auch fehlendes Personal verhinderten die Weiterführung des Beratungsangebotes in der bestehenden Form. Für den hohen logistischen und organisatorischen Aufwand fehlten einfach die Ressourcen.

Vom Nachruf zum neuen Aufbruch

Georg Besser, Vorsitzender des Arbeitskreises und zugleich Schulleiter des Elberfelder Berufskollegs und sein Kollege Michael Obst sahen keine Möglichkeit, das ehrenamtliche Projekt Primanertag fortzusetzen. Michael Obst: „Wir waren finanziell und personell ausgeblutet!“ Schweren Herzens entschlossen sich die Mitglieder des Arbeitskreises das Projekt des Bergischen Primanertages zu beenden.

So lud der Arbeitskreis im Frühsommer 2004 zu einer Pressekonferenz ein, um dort mitzuteilen, dass das Projekt Primanertag aufgegeben wird. Die Botschaft für die Pressekonferenz lautete: „Der Bergische Primanertag im Jahr 2004 war zugleich der letzte Primanertag.“

An dieser denkwürdigen Pressekonferenz nahm auch Klaus Koch, Redakteur der Westdeutschen Zeitung, teil. In seinem folgenden Artikel in der WZ rief er dazu auf, dieses großartige Bildungsprojekt unter einer anderen Organisationsform weiterzuführen. Es müsse sich doch jemand finden, der in der Lage sei, diese Tradition der Studien- und Berufsberatung fortzuführen. Es war auch die Idee von Klaus Koch, direkt die Wuppertaler Service Clubs der Rotarier und der Lions anzusprechen. Michael Obst: „Klaus Koch sollte den Nachruf auf den Bergischen Primanertag schreiben, und es wurde der Aufruf für einen neuen Aufbruch.“

Es war dann der Wuppertaler Unternehmer Rüdiger Theis, der diesen Aufruf in der Zeitung las, die Initiative ergriff und mit seiner Mitarbeiterin Bettina Stubbe neue Organisationsformen schuf. Beide brachten auch das dringend erforderliche technische Know-how ein. Der Bergische Primanertag erhielt eine informative Homepage, die Beraterlisten wurden digitalisiert und die gesamten Abläufe professionalisiert. Zusammen mit der Bergischen Universität, den Wirtschaftsjunioren und den Service Clubs, zu den Rotariern und den Lions kamen auch die Soroptimisten hinzu, stellte sich der Bergische Primanertag dann ab 2005 neu auf.

Georg Besser blieb bis zu seiner Pensionierung 2009 Vorsitzender des Bergischen Primanertages und bildete zusammen mit dem Organisator Rüdiger Theis ein großartiges Leitungsteam.  Zahlreiche Vertreter der Schulen, der Universität, der Wirtschaftsjunioren und der Service Clubs vervollständigten den Arbeitskreis.

2010 übernahm Karl W. Schröder, Schulleiter des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums und zugleich Sprecher der Direktorenkonferenz der Wuppertaler Gymnasien, den Vorsitz des Arbeitskreises. Zu einer besonderen Herausforderung an die Logistik des Primanertages kam es mit dem „Doppelten Abiturjahrgang“. Die Schulzeitverkürzung führte im Jahr 2013 die Jahrgänge G8 und G9 gleichzeitig zum Abitur. Weit über 1000 Abiturientinnen und Abiturienten kamen an einem Samstagnachmittag zur persönlichen Beratung in die Räumlichkeiten des Berufskollegs Elberfeld.

Im Jahre 2016 übergab Rüdiger Theis den Staffelstab der Organisationsleitung an den Rotarier Bastian Koecke. Auf sein Betreiben hin erhielt der Arbeitskreis 2018 den Status eines eingetragenen Vereins. Die Agentur wilhelm innovative medien GmbH spendete dem Bergischen Primanertag im Jubiläumsjahr eine moderne hoch attraktive Webseite.

Zusammenwirken von Theorie und Praxis

Viele Schülergenerationen nutzten in den vergangenen 50 Jahren den Bergischen Primanertag, um sich gezielt über Studium und Beruf zu informieren. Berufspraktiker und Hochschullehrer haben in diesen Jahren tausenden jungen Menschen im persönlichen Gespräch Rede und Antwort gestanden. In dem Zusammenwirken von Theorie und Praxis bei der persönlichen Beratung im Gespräch liegt zugleich die Besonderheit des Bergischen Primanertages im Vergleich zu den unterschiedlichsten Beratungsangeboten.

Zu den hochkarätigen Referenten gehörten in all den Jahren Politiker wie der damalige Wissenschaftsminister Johannes Rau, der Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland Dr. Jürgen Schmude, MdB, die Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal, die Rektoren der Bergischen Universität, renommierte Wissenschaftler und Unternehmerpersönlichkeiten wie Jörg Mittelsten Scheid und Ralf Putsch.

Der Bergische Primanertag wird im Jubiläumsjahr am 12. Januar 2019 in den Räumen des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums stattfinden. Das deutlich erweiterte Raumangebot im Schulzentrum Süd und eine große Aula für den zugleich stattfindenden Festakt schaffen hervorragende Voraussetzungen für den Bergischen Primanertag im Jahr des 50jährigen Jubiläums.

Karl W. Schröder
Vorsitzender des Arbeitskreises Bergischer Primanertag e.V.